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Dampflok-Schnuppertage bei den Harzer Schmalspurbahnen

Bericht und Fotos von Dieter Hauschild

Zum Geburtstag schenkten mir meine Kinder 3 Tage auf der Dampflokomotive bei den Harzer Schmalspurbahnen. Als Eisenbahnliebhaber und großer Fan der Dampflok war das natürlich ein wirklich tolles Geschenk für mich. In Wernigerode erhielt ich  nach Einweisung über allgemeine Sicherheitsbestimmungen im Bahnbetrieb  den Dienstplan, Schutzhandschuhe und eine Arbeitsjacke, außerdem im Umkleideraum einen Spind. Mein Bericht bezieht sich auf den  3. Tag. Dienstbeginn 8.42 Uhr, Dienstende 14.00 Uhr. Pünktlich melde ich mich beim Dispatcher und frage nach meinem zuständigen Personal. Für heute ist es Lokführer Matthias Kätzel und Heizer Dietrich Barner mit der Lokomotive 99 7240-7.

Ich stelle mich dem Lokpersonal vor, sie sind bereits mit dem Aufrüsten ihrer Maschine beschäftigt, dazu gehört das Prüfen der Wasserstände am Kessel, eine Bremsprüfung und eine Sichtkontrolle verschiedener Teile des Laufwerkes. Ebenso die Überprüfung der Nebenaggregate wie Lichtmaschine und Luftpumpe. Das abölen der Lokomotive, sowie die Kontrolle der Ölstände in den Achs – und Stangenlagern ist eine sehr wichtige Arbeit. Immerhin hat eine Neubaudampflok fast 50 Schmierstellen. Auch für die Pflege der Dampflok nimmt sich das  Personal  viel Zeit, denn für einen hervorragenden Pflegezustand sind die Dampfloks der HSB bekannt. Seit mehreren Tagen herrschen hochsommerliche Temperaturen in Norddeutschland, die Stadt Wernigerode bereitet sich auf den Sachsen – Anhalt Tag vor, so auch am 3. Tag meiner Dienstschicht herrschen Temperaturen von über 30°, im Führerstand der Lokomotive werden bestimmt weit über 50°erreicht. Über das gesamte Bahnbetriebsgelände schwebt ein typischer Dampflokgeruch und dichte Rauchschwaden ziehen über die Lokomotiven vor dem Lokschuppen, faszinierend für  Eisenbahnfreunde. Vom Kohlebansen aus ist der Brocken gut sichtbar, fast 900 Höhenmeter hat unsere Lokomotive zu erklimmen um auf den Berg aller Deutschen an zukommen. Unsere Lokomotive füllt noch die Wasser – und Kohlevorräte auf um anschließend am Bahnsteig den Zug zu übernehmen. Es erfolgt Bremsprobe und der Lokführer erhält den Bremszettel. Pünktlich verlassen wir Wernigerode und erreichen danach die Bahnhöfe Westerntor, Hochschule, Hasserode und Steinerne Renne. Ab hier muss unsere Dampflok nun wirklich alles geben.  Es folgt stete Steigung und immer wieder viele Kurven, es verlangt gute Teamarbeit von Lokführer und Heizer. Immer wieder schaufelt der Heizer Kohlen nach, wobei ihm der Lokführer unterstützend die Feuerklappe öffnet und schließt. Ich lausche den brachialen Krachen der Auspuffschläge. Die Zuglast verursacht ab und zu ein Schleudern der Maschine, nur durch geschicktes und richtiges Bedienen am Regler hat der Lokführer alles im Griff. Viele Bahnübergänge gibt es auf dem gesamten Streckenverlauf und die „Pfeiftafel“ an den Gleisen verlangen einen kräftigen Pfiff aus der Lokomotive. Wir durchfahren den 58m langen Thumkulentaltunnel und erreichen den Kreuzungsbahnhof Drei-Annen-Hohne. Ein Markierungspfahl zeigt dem Lokführer genausten an, wo er zum Halten kommen muss, um dann passend am Wasserkran zu stehen. Die Klappe am Wasserkasten wird geöffnet, der Wasserkran geschwenkt und die Wasservorräte werden wieder aufgefüllt. Der Lokführer inspiziert das Gestänge, wischt hier und da mit einem Lappen und kontrolliert die Wärme an den Treibstangen. Viele Eisenbahnfan`s umlagern bereits die Lokomotive und lichten sie ab. Die Wasservorräte sind aufgefüllt und pünktlich verlassen wir Drei-Annen-Hohne. Wieder schlängelt sich der Zug durch Kurven und der Heizer ist immer wieder am schaufeln. Auf der Strecke Wernigerode – Brocken müssen etwa 1,5 Tonnen Kohle in das Feuer geschaufelt werden. Auch in Schierke werden die Wasservorräte nochmals nachgefüllt und vorbei am Eckerloch erreichen wir den ehemaligen Haltepunkt Goetheweg. Hier befindet sich ein Rückdrückgleis. Der talwärts fahrende Zug vom Brocken wartet hier bereits auf unsere Durchfahrt, für  uns zeigt das Signal „Freie Fahrt“ Richtung Brocken.  Nun ist der Brocken bereits in Sichtweite, Wanderer am Goetheweg winken dem Zug zu, es folgt die „Brockenkehre“, der Zug umfährt den Brockengipfel und erreicht schließlich, vorbei am Hexenaltar und Teufelskanzel den Bahnhof Brocken auf 1141m Höhe. Der Zug war übervoll, eine Menschentraube bewegt sich auf dem Bahnsteig. Der Aufsichtsbeamte vom Bahnhof Brocken schließt die Weiche auf und unsere Lok fährt an das Zugende. Es erfolgt wieder die Bremsprobe und der Aufsichtsbeamte hebt die Kelle zur Abfahrt. Unsere Lokomotive fährt nun rückwärts und das Personal kann zumindest die Feuerklappe zulassen, die Kohlenschaufel hat Pause. Ich habe jetzt die Möglichkeit beim Heizer aus dem Fenster zu schauen, Torfhaus ist zu sehen und wir müssen nun auch am Haltepunkt Goetheweg in das Rückdrückgleis fahren. Aus der Ferne hört man den bergan fahrenden Zug. Die Geräusche kommen immer näher, schließlich durch die Rauchwolken schon erkennbar, aber dann auch das markante Lokgeräusch, ein Ohrenschmaus für Eisenbahnfreunde. Der Zug fährt schnaufend an uns vorbei, unser Zug wird wieder auf das Hauptgleis gedrückt und weiter geht die Fahrt talwärts über Schierke nach Drei-Annen-Hohne. Wir wechseln hier außerplanmäßig die Lokomotive. Unsere Lokomotive muss nach Nordhausen, wir übernehmen eine Lokomotive die für einen Werkstattaufenthalt vorgesehen ist. Wir durchfahren das Thumkuhlental, in der Ferne ist das Schloss Wernigerode zu sehen, Pünktlich erreichen wir den Endbahnhof Wernigerode. Ich bedanke mich beim sehr freundlichen Lokpersonal für die gute Stimmung und Erklärungen während der Schicht und schließe als Fazit: „Traumberuf Lokführer auf einer „Dampflokomotive“ ja, aber harte Knochenarbeit bei glühender Sommerhitze oder eisiger Winterskälte, Hut ab vor der Arbeit des Lokpersonals.