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Das Bahnpostwesen in den Jahren 1964 – 1975

von Dieter Hauschild

 

In diesem Zeitraum hatte ich als Beschäftigter der Bundespost auf den Bahnhöfen Helmstedt und Königslutter mit den Bahnposten zu tun.

 

Alle Verkehrsdaten zur Postbeförderung auf Eisenbahnen fand man im Postkursbuch. Dieses Kursbuch wurde zeitgleich mit den Kursbüchern der Bundesbahn zum Fahrplanwechsel herausgegeben.

 

Ebenso wie alle Reisezugwagen verfügten auch die Bahnpostwagen über ein Zuglaufschild. In vielen Städten gab es große Postbahnhöfe, oder auch spezielle Bahnsteige auf denen nur Gepäck und Post verladen wurde. Dadurch war es für viele Außenstehende kaum möglich, das eigentliche Bahnpostwesen wahrzunehmen, zumal noch der überwiegende Hauptbetrieb der Bahnpostbeladung in den späten Abend – und Nachtstunden stattfand.

 

Heute stehen die großen Postbahnhöfe samt der großen Umschlaghallen leer und ungenutzt. Der gesamte Postverkehr geht über Straße und teils in der Luft. Erfreulich ist zu vermerken, dass zumindest ansatzweise die Vernunft gegen weitere Luftverschmutzung siegt und die Deutsche Post AG auch wieder mit der Bundesbahn kooperiert. Ein Containerzug verkehrt bereits auf der Nord – Südstrecke und seit kurzem wurde auch eine Ost – West Verbindung in Betrieb genommen. Doch hier zunächst meine Kenntnisse zum Bahnpostwesen in und um Helmstedt.

 

Zu diesem Zeitpunkt verkehrten auf der wichtigen Ost – West Verbindung, Helmstedt war damals wichtigster Grenzbahnhof, die unterschiedlichsten Bahnposten. So gab es Bahnposten für Briefe und Pakete, Bahnposten nur für Briefpost oder nur Pakete.

 

Ab Helmstedt wurden die ankommenden Bahnpostwagen, nachdem das Postpersonal diese verlassen hatte, verplombt. Bis zum Zielbahnhof, entweder der Berliner Ostbahnhof für den DDR Bereich oder der Postbahnhof in West Berlin blieben die Bahnpostwagen verplombt. In der Gegenrichtung kamen die Bahnpostwagen ebenfalls verplombt in Helmstedt an, die Bahnpostfahrer öffneten die Türen und bearbeiteten die Sendungen.

 

Die Bahnpostwagen an den Interzonenzügen hatten Postsendungen für den gesamten DDR Bereich. Für den Westberliner Bereich gab es neben der Flugverbindung nur noch zwei sichere Verbindungen auf dem Schienenweg. Dieses waren die Bahnposten an den amerikanischen Militärzügen. Zwei Zugpaare verkehrten jeweils nachts, von Frankfurt / M und Bremerhaven – Lehe nach Berlin – Lichterfelde West. Der Militärzug aus Frankfurt hatte manchmal drei Bahnpostwagen im Zugverband. Diese Züge waren u. a. auch mit Militärpolizei besetzt und somit vor einem Zugriff in der DDR sicher. Eine weitere wichtige Verbindung von West nach Ost war der sogenannte „Postzug“. Dieser Zug bestand aus  etwa 30 gedeckten G – Wagen und  10 Bahnpostwagen. Die Wagen kamen aus dem gesamten Bundesgebiet und waren für die verschiedensten Städte in der DDR bestimmt. In Braunschweig befand sich ein großer Post – Umschlagbahnhof für DDR Post. Besonders in der Weihnachtszeit konnte der Postbahnhof die an – und abgehenden G – Wagen kaum aufnehmen.

 

Nicht nur im Fernverkehr hatten wir in Helmstedt mit Bahnposten zu tun, auch im Nahbereich ging anfangs noch sehr viel über die Schienen. So wurde Helmstedt, ca. 28 000 Einwohner, von Mo – Sa mittels Bahnpost versorgt. Gegen 7.30 Uhr kam der Personenzug aus Braunschweig an. Nachdem der zweiachsige Bahnpostwagen in ein Stumpfgleis umgesetzt wurde, begann an allen verfügbaren Türen das Ausladen. Alle Sendungen mussten auf Bahnsteigkarren geladen werden und mit Elektrokarren zum ca. 300 m entfernten Postamt gefahren werden. Hier wiederum mussten die Bahnsteigkarren wieder entladen werden. Ein Großteil der Briefpost für Helmstedt wurde bereits in der Nacht mit den verschiedensten Zügen. Interzonenzüge und Militärzüge, nach Helmstedt befördert. Der Nachtdienst bearbeitete den Posteingang und die Briefzusteller fanden am Morgen fast ihre gesamte Eingangspost vor. Am Abend, gegen 21.15 Uhr, verließ der Bahnpostwagen Helmstedt in Richtung Braunschweig. Interessant war die abendliche Bespannung. Am Triebwagen, einem ETA 150, wurde der Bahnpostwagen für die Fahrt nach Braunschweig angekuppelt. Briefpostversand erfolgte auch unter dem sogenannten Begriff „Eisenbahnzugpersonal“. Die Bundespost verabredete mit der Bundesbahn mit bestimmten Zügen und an bestimmten Tagen einen Postversand. Dabei wurde die Anzahl der Briefbeutel festgesetzt. Der Postbedienstete übergab die verplombten Briefbeutel dem Schaffner am Zug. Dieser übergab die Briefbeutel am Bestimmungsbahnhof wieder dem Postbediensteten.

 

                   

Soweit die Ausführungen zum Bahnpostwesen in Helmstedt. Natürlich war für mich als Eisenbahnfreund auch immer mehr als wichtig die jeweiligen Lok Bespannungen der Züge. Interessant war die tägliche Ankunft vom D 111, Köln – Berlin. Diesem Interzonenzug wurde oft in Braunschweig eine Probelok als Vorspann gegeben. In Braunschweig befand sich ein Bundesbahn – Ausbesserungswerk. Diese Probelok konnte auf der Strecke Braunschweig – Helmstedt eingehend getestet werden. Dabei kamen die unterschiedlichsten Baureihen der 01, 03 und 41 nach Helmstedt. Bei der Rückfahrt nach Braunschweig konnte man auf den Unterwegsbahnhöfen die Probelokomotiven stehen sehen. Das Abnahmepersonal untersuchte dann die Maschinen auf ev. Mängel. Mit dem Militärzug aus Frankfurt kam täglich eine BR 01 aus Kassel nach Helmstedt. Zum Bild des Helmstedter Bahnhofs gehörten auch die vielen BR 01 der Deutschen Reichsbahn mit großen Windleitblechen. Die Lokomotiven der Reichsbahn verließen Helmstedt, nachdem sie auf der Drehscheibe gedreht hatten, umgehend mit der nächstmöglichen Verbindung. Kontakte zum Lokpersonal waren mehr als spärlich. Um dieses auch noch mehr einzuschränken, kamen die Güterzüge aus Richtung Marienborn, mit BR 50 bespannt, stets mit Tender voraus in Helmstedt an. Dadurch sollte möglicher Kontakt mit dem Bw Personal in Helmstedt vermieden werden. Zu weiteren Schikanen im innerdeutschen Grenzverkehr gehörte aber auch die Annahmeverweigerung von Zügen. Hin und wieder kam es vor, dass die festgelegte Achszahl minimal überschritten wurde. War der Zug schon in Marienborn angekommen, wurde er wieder nach Helmstedt zurückgezogen. Erst nachdem die nötigen Achsen abgehängt wurden, konnte der Zug die Fahrt in Richtung Osten erneut antreten. Aber auch im Bahnhof Helmstedt standen die Züge oft über Stunden, manchmal sogar Tage fest, bis sich die Reichsbahn  bzw. die Grenzorgane besannen, den Zug anzunehmen. Manchmal waren aber auch nicht genügend Reichsbahn Lokomotiven verfügbar, um die Züge in Helmstedt zu übernehmen. Zu erleben gab es also viel am damaligen Grenzbahnhof Helmstedt

Die folgenden Bilder wurden uns vom Stadtarchiv  Braunschweig, Postgeschichtliche Sammlung H XXVIII: 86 Akz. 2008/135 zur Verfügung gestellt.  

   


Die Paketrutschen in der Paketumschlagstelle Braunschweig